Beschreibung
Japanische Samurai-Rüstung der Edo-Zeit (Nimai-dō Gusoku)
Mittlere Edo-Zeit, spätes 17. bis Mitte 18. Jahrhundert
Eine vollständige und zertifizierte Samurai-Rüstung von außergewöhnlicher Ausstrahlung, deren tiefer Urumi-Lack, indigoblaue Verschnürung und polychrome Takuboku-Bänder den hohen Rang und den kultivierten Geschmack der Kriegeraristokratie der Edo-Zeit widerspiegeln.
Dieses Nimai-dō Gusoku ist ein bemerkenswertes Ensemble von großer technischer und historischer Bedeutung. Die zweiteilige, auf Scharnieren aufgebaute Brustplatte ist mit kostbarem transluzentem Urumi-Urushi-Lack versehen und vereint militärische Funktionalität mit jener dekorativen Eleganz, die die besten Rüstungen der mittleren Edo-Zeit auszeichnet.
Offizielle Zertifizierung
Diese Rüstung wird von dem Echtheitszertifikat Nr. Tokki-2227 begleitet, das am 9. Juni 2024 von der Japanischen Gesellschaft für die Erforschung und Erhaltung von Rüstungen und Waffen
(Nihon Katchū Bugu Kenkyū Hozon Kai) ausgestellt und von ihrem Präsidenten Nagata Hitoshi unterzeichnet wurde.
Die Rüstung wurde offiziell als Tokubetsu Kichō Shiryō
(Besonders wertvolles Kulturgut) eingestuft – eine der angesehensten Kategorien innerhalb des japanischen Systems zur Bewertung und Erhaltung historischer Rüstungen.
Eine authentifizierte und dokumentierte Rüstung von außergewöhnlichem historischem, künstlerischem und technischem Wert.
Offizielle Technische Beschreibung
Tetsu urumi-urushi-nuri kiritsuke-kozane, kon, takuboku-ito odoshi, nimai-dō gusoku.
Vollständige Rüstung des Typs Nimai-dō, gefertigt aus Eisenplatten in der Technik des Kiritsuke-Kozane, bei der durch Schnitz- und Lackierarbeit einzelne Lamellen simuliert werden. Die Oberfläche ist mit tiefem, transluzentem Urumi-Urushi-Lack versehen und mit einer Kombination aus indigoblauen Kon-Ito-Schnüren und mehrfarbigen Takuboku-Ito-Bändern in Rot, Blau, Weiß und Gelb verschnürt.
Der Helm (Kabuto)
Der Helm ist aus Eisen geschmiedet und besitzt eine langgestreckte konische Form, die dem Typus Toppai-Nari Kabuto nahekommt beziehungsweise an eine erhöhte Variante des Zunari erinnert, deren Silhouette an die traditionellen Eboshi-Kopfbedeckungen anknüpft.
Seine Oberfläche zeigt eine hervorragende natürliche Patina, die durch Alter und Gebrauch entstanden ist und dem Stück eine würdevolle und eindrucksvolle Erscheinung verleiht.
Die Vorderseite wird von einem großen durchbrochenen eisernen Maedate geschmückt, das eine stilisierte Lotusblüte (Renge) darstellt – ein buddhistisches Symbol der Reinheit und spirituellen Erhebung. Dieses seltene und außergewöhnliche Emblem könnte auf eine besonders religiös geprägte Samurai-Familie hinweisen.
Die Fukigaeshi sind starr gearbeitet und reich mit Nieten besetzt. Ihre Ränder sind mit gold-orangefarbenem Brokat auf cremefarbenem Grund verziert. Das mehrreihige Shikoro ist dicht mit indigoblauen Kon-Ito-Schnüren verschnürt.
Die Gesichtsmaske (Menpō)
Die Maske ist ein kraftvolles Ressei-Men aus patiniertem Eisen, dessen Gesichtszüge mit grimmigem Ausdruck und geöffnetem Mund gestaltet sind. Da sie ihre natürliche Eisenoberfläche bewahrt hat und nicht lackiert wurde, tritt die meisterhafte Modellierung besonders eindrucksvoll hervor.
Ein Gesicht, geschaffen nicht nur zur Einschüchterung, sondern als Ausdruck von Autorität.
Der Halsschutz (Yodare-Kake) besteht aus lackierten Lamellen und ist mit dichter dunkelblauer Verschnürung ausgeführt, die sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt.
Der Brustpanzer (Dō)
Der Brustpanzer ist ein authentischer Nimai-Dō, bestehend aus zwei beweglich verbundenen Hälften und gefertigt in der Technik des Kiritsuke-Kozane. Die lackierte Oberfläche vermittelt den Eindruck traditioneller Einzelplatten, während die Konstruktion die Stabilität durchgehender Eisenplatten nutzt.
Der tiefe, transluzente rotbraune Urumi-Urushi-Lack verleiht der Rüstung außergewöhnliche Wärme und Tiefe.
Besonders bemerkenswert ist die polychrome Verschnürung: Bänder aus Takuboku-Ito in Rot, Blau, Weiß und Gelb wechseln sich mit Bereichen aus indigoblauem Kon-Ito sowie cremefarbenen und grünen Tönen ab und erzeugen eine lebendige Farbkomposition, die typisch für die Ästhetik der mittleren Edo-Zeit ist.
Der obere Bereich wird durch ein elegantes Kebiki-Odoshi aus gold- und ockerfarbenen Fäden abgeschlossen, das einen besonders raffinierten dekorativen Rand bildet.
Weitere Bestandteile
Die Rüstung wird durch große mehrteilige Schulterpanzer (Sode) ergänzt, deren polychrome Verschnürung exakt mit jener des Brustpanzers übereinstimmt und die harmonische Einheit des Ensembles unterstreicht.
Die gepanzerten Ärmel (Kote) sind auf hochwertigem blauem Brokat mit geometrischen Mustern montiert und mit dichter Kusari-Kettenrüstung verstärkt. Die Platten an Ellenbogen und Unterarmen sind in leuchtendem Zinnoberrot lackiert, während die Tekkō feine Reliefverzierungen aufweisen.
Die Oberschenkelschützer (Haidate) sind ebenfalls rot lackiert und auf Stoff montiert. Die Schienbeinschützer (Suneate) kombinieren Kettengeflecht und lackierte Platten und werden zusammen mit ihren traditionellen Lederstiefeln (Tsuranuki) präsentiert, die mit rotem Besatz und Fell versehen sind – ein Merkmal hochrangiger Samurai-Ausrüstung.
Zubehör und Kennzeichen
Erhalten geblieben ist ein Paar kleiner grüner Stoffbeutel mit sechseckigem Muster, vermutlich zur Aufbewahrung von Schießpulver, Amuletten oder persönlichen Feldutensilien. Solche Zubehörteile sind selten erhalten und verleihen der Rüstung zusätzlichen dokumentarischen Wert.
Auf der Rückseite befindet sich zudem ein Identifikationszeichen in Form eines goldlackierten Pfeilmotivs (Ya-Jirushi), das den historischen Charakter des Ensembles weiter unterstreicht.
Farbgebung
Die Farbpalette ist reich und aristokratisch: tief rotbrauner Urumi-Urushi-Lack, zinnoberrote Akzente an Knien, Händen und Ellenbogen, indigoblaue Kon-Verschnürung sowie polychrome Takuboku-Bänder. Helm und Maske bewahren ihre natürliche dunkelbraune Eisenpatina, während blaue und goldene Brokate zusätzliche Eleganz verleihen.
Erhaltungszustand
Die Rüstung ist vollständig und auf ihrem traditionellen Präsentationsgestell montiert. Alle wesentlichen Bestandteile sind vorhanden und befinden sich in gutem strukturellem Zustand. Altersspuren und Patina entsprechen dem hohen Alter von etwa 250 bis 300 Jahren.
Die originale Verschnürung ist mit bemerkenswerter Farbintensität erhalten geblieben – eine Eigenschaft, die bei Rüstungen dieser Epoche nur selten anzutreffen ist.
Provenienz und Historischer Wert
Das Zertifikat des Nihon Katchū Bugu Kenkyū Hozon Kai sowie die Einstufung als Tokubetsu Kichō Shiryō stellen eine außergewöhnliche Garantie für Authentizität und künstlerische Qualität dar. Diese Anerkennung gehört zu den höchsten Auszeichnungen, die einer japanischen Rüstung außerhalb der staatlichen Kategorie eines Wichtigen Kulturgutes verliehen werden können.
Eine vollständige, zertifizierte und äußerst eindrucksvolle Samurai-Rüstung – ein hervorragendes Beispiel eines Nimai-dō Gusoku aus der mittleren Edo-Zeit, das Authentizität, dokumentarische Bedeutung und außergewöhnliche Ästhetik in sich vereint.







































